Briefe an S

Ich folge einem Bedürfnis und schreibe an S. Hier veröffentliche ich nur ein paar Auszüge, von denen ich meine, dass sie für andere Denkanstöße sein könnten und nicht zu viel von meinem Inneren preisgeben.

Liebe S!
Ich habe Dich erfunden. Ich musste Dich erschaffen. Ich brauche Dich ganz dringend.
Ich brauche jemanden, dem ich jederzeit schreiben kann, ohne gefragt zu werden, ohne Antworten zu erwarten. Ich brauche jemanden, von dem ich keine Antworten bekomme, die zeigen, dass ich missverstanden werde, dass was hinzugedichtet wird oder was gleich wieder vergessen, kaum dass es gelesen ist. Von dem auch keine Fragen kommen wie „Hast du neue Erkenntnisse gewonnen und wie gehst du damit um?“  - so gezielt am Eigentlichen vorbei, da ich ja nicht auf Erkenntnisse-Jagd bin sondern in einem Fühlprozess und bei energetischer Arbeit, und alles abwürgend, was ich vielleicht erzählen möchte, wie ich mich fühle dabei - aber dazu hatte ich ohnehin keine Lust mehr. Natürlich gibt es dabei auch Erkenntnisse, aber wie werde ich wohl damit umgehen, wenn ein weiteres inneres Kind sich zeigt, etwas plötzlich verstanden wird, was bisher nicht so klar war .. .. fühlen, integrieren, damit leben. 
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Ich habe eine Bestellung ans Universum abgeschickt, doch keine passende Freundin wurde „geliefert“. Ich habe den Verdacht, ein Teil von mir hat die Bestellung wieder storniert. Manchmal „höre“ ich ihn – es sei noch zu früh, ich würde mein Ziel nicht erreichen, wenn ich jetzt eine Freundin hätte, so wie ich mir das wünsche. .. ..   Und so eine Freundin, wie ich brauche, ist vielleicht gar nicht lieferbar.
Deswegen also habe ich Dich geschaffen, liebe S.
Deine H.

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Ich bin weiterhin dabei, dem verletzten Teil zuzuhören, der immer wieder hervorkramt, was mir geschrieben wurde. Einiges hat richtig weh getan.  
Zum Beispiel das: „Wenn du etwas in mir auslöst, dann frag ich mich selber, was da wohl dahinter steckt. Da hab ich auch schon einiges gefunden.   Also, schau auch bei dir dorthin, warum du auf  Ablehnen eines Angebots so reagierst.“
Trotz mehrerer Erklärungsversuche hat sie nicht begriffen, dass es nicht das Ablehnen an sich war, sondern die Art des Ablehnens. Und allmählich sollte sie doch wissen, dass ich täglich dabei bin nach innen zu horchen, zu fühlen .. ..
Was macht denn sie, wenn sie was gefunden hat? Ich habe die Frage gestellt und keine Antwort erhalten. Ich bekam nie Antworten auf derartige Fragen. 
Diese Aufforderung ist die „Allzweckwaffe“ derjenigen, denen das Fühlen anderer lästig ist .. .. wenn ihnen sonst nichts mehr einfällt, werfen sie dir einfach hin: schau doch mal bei dir selbst nach .. .. mit der unausgesprochenen Botschaft, dass man dies dann zum Verschwinden bringen solle. Was bei ihnen selbst ja wohl auch funktioniert .. ..
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Ich schrieb zwei Sätze, in denen ich das „Experiment“ für beendet erklärte. Nur einander erzählen, und es darf nur Interesse da sein, sonst nichts – was ist denn das für eine verrückte Forderung!  .. .. ich habe Gefühle! Die darf ich nicht mitteilen, bzw. was mich verletzt hat .. .. und vom Gesprächspartner erwarte ich zumindest Verstehen. 
Diesmal kam die Antwort sehr schnell, und ich bekam einen wirklich interessanten Einblick. Ich werde für jemanden gehalten, der psychisch so gestört ist, dass er „eine helfende Hand wegbeißen muss“ .. .. eine helfende Hand, soso!
Ich musste einsehen, dass ich ihr Interesse falsch gedeutet habe. Ich dachte, hoffte zumindest, sie würde lernen wollen, wie Menschen auch sein können, so anders als sie, und dass ihr diese Information vielleicht mal helfen würde, wenn sie auf jemanden trifft, der so ähnlich ist wie ich und es nicht so erklären kann. Welch ein Irrtum! Ja genau, sie schrieb einmal „Reden hilft“ - also ging es nur darum, dass sie meinte, es würde mir helfen, wenn ich ihr von mir erzähle.
Doch dabei kam ich mir bald vor wie ein Maler, der ein Selbstportrait machen will, und jedes Mal, wenn er zur Staffelei tritt, ist da was anderes da als das, was er zuletzt gemalt hat .. .. oder gar nichts. Dafür durfte ich mir „anhören“, wie toll ihr Leben ist, was sie alles freut, und manchmal lud sie Ärger über dies oder jenes bei mir ab .. .. 
Es ist wohl schwer denkbar, dass jemand einem Blinden vorschwärmt, wie toll es ist bunte Blumen zu sehen, einem Gelähmten, wie toll es ist sich zu bewegen, dann noch ein „ich kann das und du nicht“ draufsetzt und sich mit diesem Verhalten als helfend empfindet.  .. .. 
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Kaum jemand kann sagen „schön, dass es dir heute besser geht“, sondern die Antworten lassen vor meinem inneren Auge Erwartung in Form einer ansteigenden Linie auftauchen. Und ich kann fast Erleichterung spüren – ah, H. geht es endlich besser! Ein andermal Enttäuschung: „aber das letzte Mal ging es dir doch schon .. ...“ Es klingt, als wäre das Befinden anderer von meinem abhängig. Es muss mir gut gehen, damit es ihnen gut geht. Wie komme ich denn bloß zu dieser Verantwortung?!
 .. .. Ich stellte des weiteren fest, dass es für mich selbst überhaupt nicht gut ist, zu genau zu erklären, wie ich mich fühle. Das gesprochene oder geschriebene Wort schreibt etwas fest, behindert die Freiheit im nächsten Moment oder in der nächsten Situation, die so ist wie die beschriebene, anders zu fühlen.   .. .. 
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Wie schön wäre es in einer Welt zu leben, wo man einander nur ansehen braucht um zu wissen, wie derjenige sich fühlt, ganz umfänglich, und zu wissen, dass dies jetzt genau in diesem Moment so ist, und dass es o.k. ist, wenn es am nächsten Tag ganz anders ist. Vielleicht treffen wir einander mal in so einer Welt, liebe S.
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.. .. Ich bekam - mit Hilfe - mehr Kontakt zu diesem Kind, das sich so davor fürchtet, dass es für andere da sein muss, seine ganze Energie hergeben, wenn es ihm gut geht. Ja, ich habe es gespürt, all die Jahre, auch wenn mir Leute auszureden versuchten, dass es noch immer da ist, denn ich bin ja erwachsen und könne einfach entscheiden .. .. fast habe ich es ihnen geglaubt und traute meiner Wahrnehmung nicht, oder zumindest traute ich mich nicht mehr über das innere Kind, über das Gefühl zu reden..
Doch innere Kinder verschwinden nicht einfach, wenn man meint erwachsen zu sein und ganz normale Bedürfnisse eines Erwachsenen zu haben, nach Bestätigung und Erfolg, Gesellschaft und Aufmerksamkeit vielleicht. Die eigenen inneren Kinder und auch Wächter bleiben bei diesen Bedürfnissen unerkannt und andere Menschen müssen so sein wie man es braucht, deren innere Kinder kann man nicht anerkennen (besonders wenn sie nicht in den eigenen Kram passen), und dann lässt man vielleicht auch nur diverse Krankheiten / Beschwerden als Entschuldigung gelten.
Doch erwachsen zu sein, wirklich erwachsen, heißt, die inneren Anteile wahrnehmen und bewusst dafür zu sorgen, dass es allen gut geht, so weit wie möglich. Und so sage ich jetzt lieber:
„Nein, ich will das nicht machen, fühlt sich nicht gut an“ statt krank zu werden. 
Ich habe gemerkt, wie wirkungslos es war, als der Psychotherapeut verlangte, dass ich mir verspreche, dass ich nichts tun würde, was ich nicht will, wenn es mir gut geht (gespürt wäre übertrieben, ich wusste es einfach). Das Kind wurde dabei nicht einbezogen, weil es für ihn gar nicht existent war, und ein wesentlicher anderer Teil auch nicht. Es hatte recht damit mir bzw. auch ihm zu misstrauen. Denn das Versprechen war einfach so in den Wind gesprochen, ohne jegliches Fundament, ich hatte noch gar nicht das nötige Bewusstsein, und es dauerte nicht lange, da wurden ganz viele Forderungen gestellt vom Therapeuten (der dieses Bewusstsein auch nicht hatte)!
Ich sagte so oft „wenn es mir besser geht“, und ich meinte es auch so, und ich spürte dann immer Unbehagen. Da gab es einen Teil, der wollte, dass ich was tu, weil sich das so gehört oder warum auch immer, und einen anderen, der das nicht tun wollte, und überhaupt .. .. ich weiß nicht, wie viele Teile da mitspielten.
Und ich habe das Unbehagen in den letzten Jahren immer gespürt, wenn die Freundin wollte, dass ich sie besuche. Sie hätte doch bloß den Wunsch .. .. (und außerdem bin ich erwachsen, die Kindheitserlebnisse seien doch lange vorbei, und schon gar nicht sei sie wie meine Eltern .. ..).  
Auf die Frage, wie es mir in einer bestimmten Situation, in der ich ein bisschen mit Menschen zu tun habe, gehe, antwortete ich, dass ein spezieller Teil von mir das Kommando übernimmt, mich mit der nötigen Energie für diese Situation ausstattet, sodass es mir recht gut geht dabei .. .. ich vergaß bei der Antwort zu erwähnen, dass mir diese aufgewendete Energie am nächsten Tag fehlt, sah keinen Grund für diese Information. Prompt kam als nächste Frage, ob ich nicht auch einen Teil kreieren (als ob man diese Teile einfach so herstellt!) könne, sodass es mir gut gehe, wenn ich sie besuche, und der Mobilfunkmast vor ihrem Haus mir auch nichts ausmache .. .. ich habe den Schreck des Kindes gespürt, und ich fühlte mich wie wenn mir eine hinterhältige Falle gestellt worden wäre mit dieser ersten, harmlos und interessiert erscheinenden Frage.  
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Schon wieder hat mich ein überwältigendes körperliches Gefühl ausgebremst. 
Mir bewusst zu sein, was ich tue und warum, und auch was mich verletzt, ja, das ist wohl wichtig, aber nur ein Teil. Dieses Fühlen, mehr zu fühlen als grad mal so ein bisschen, das geht entweder gar nicht oder es ist zu viel. 
Ich schrieb Dir ja kürzlich von dem Gefühl, das von der Hüftgelenkskorrektur in meiner Kleinkindzeit verursacht wurde und nun bei bestimmten Geräuschen heftig aufflammt. Es hat sich angefühlt, als würde ich innerlich zerreißen, und mein einziger Gedanke war: „Jetzt lande ich demnächst doch noch in der Psychiatrie“. Ich bin nun laufend dabei die ersten Anzeichen zu spüren und es nicht noch mal so weit kommen zu lassen, und es geht gerade so.
Und nun war also diese kleine Aufstellung, von der ich Dir berichtete. Mein Kopf fühlt sich immer noch schlimm an, wie wenn ich in eine Mauer gekracht wäre. In eine energetische Mauer, es gibt also keine einzelne schmerzende Stelle, sondern der ganze Kopf ist durch und durch wie zermatscht, und mir ist schwindlig, sodass ich manchmal sogar das Gleichgewicht verliere. 
Ich interpretiere das Erlebnis so, dass sich mein Kopf generell so anfühlt, wenn ich wirklich ganz da bin und alles fühle. Normalerweise bin ich offenbar nicht so präsent, sodass es vergleichsweise harmlose Kopfschmerzen und diverse kreisende Gefühle im Kopf sind, die mich durch den Tag begleiten. Ob mir bei diesem Erlebnis auch ein paar „Leitungen“ durchgeschmort sind?
So schön sagt es sich, dass ich alles fühlen möchte, für meine inneren Kinder da sein – aber wenn es sich so anfühlt, mich überwältigt .. .. nein, so geht das nicht! Es wundert mich nicht, dass in Bezug auf Fühlen offenbar jemand in mir bremst. 
Gut, dass es die iAwake-Sounds gibt, es ist angenehm sie zu hören, ich brauche mich dabei nicht anstrengen, das mache ich jetzt mal die nächsten Tage ohne mehr zu probieren. Vielleicht helfen sie meinen Kopf zu reparieren .. .. 
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Liebe S.!
Ich erinnere mich nicht, was ich heute geträumt habe, aber ich bin mir sicher, dass es der Grund dafür war, dass ich mit der Überlegung aufwachte, warum ich hier bin.
Mir fiel die Aussage der ersten hellsichtigen Frau auf meinem Lebensweg zu meiner Lebensaufgabe ein: mir zu geben was ich nicht von meinen Eltern bekommen habe. Damals dachte ich, das tue ich doch schon, später meinte ich, sie hätte einfach irgendwas gesagt, was sie halt so in meinem Feld gesehen hätte, und das als meine Lebensaufgabe interpretiert. Aber sie hat wohl recht, nur dass ihr selbst gar nicht die ganze Tragweite bewusst gewesen sein dürfte.
Mir Aufmerksamkeit und Liebe geben .. .. ja, und die Sehnsucht erfüllen nach einem Zustand, den ich meinen Mitmenschen über Jahre hinweig nicht verständlich machen konnte. Man könne nicht immer glücklich sein, hat der Psychotherapeut (recht unfreundlich) geklotzt, als ich ihm meine Sehnsucht verriet. Aber diese Art Glücklich-sein, an die er und auch andere dachten, die meine ich gar nicht. Nicht diese Art, wo ein Ereignis die Ausschüttung von Glücksgefühl bewirkenden Botenstoffen hervorruft. Es ist eine Sehnsucht nach einem Zustand, von dem ich denke, dass den meine Seele kennt. Eine innere Harmonie, verbunden mit einer Art Liebe, die wohl auch nicht die Liebe ist, die die Menschen üblicherweise kennen.
Dieses Gefühl habe ich gespürt in dem Traum vor einiger Zeit, in dem ich quasi „fertig“ war hier auf der Erde und bald nach Hause durfte, nie wieder zurückkommen brauchte. Ich bin mir sicher, dass er mir zeigte, was mein Ziel ist, über „mir geben“ hinaus. Dafür bin ich da, dieses (letzte?) Mal. (Möglicherweise hat dies auch den Zweck den Weg für andere zu ebnen, als übergeordnete Aufgabe, für die Menschheit also. Es ist mir mittlerweile aber ziemlich egal, ich bin recht egoistisch geworden, fühle mich nicht verantwortlich für die anderen.)
Ein anderer Traum einige Tage später hat mir allerdings gezeigt, wie viele innere Kinder „im Weg“ sitzen und da noch nicht wegkönnen. O.k., also weiter mich um die inneren Kinder kümmern, egal ob ich das Ziel erreiche bzw. wie nahe ich ihm komme, und somit beginne ich mein Tagesprogramm,
Deine H.

 

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