von 15 bis 35

Ich war schon vor meinen ersten Amalgam-Plomben alles andere als gesund und kräftig gewesen, aber ab nun wurde es immer schlimmer. Ich erinnere mich nicht genau, aber ich glaube es ist seit ungefähr dieser Zeit, dass meine Zunge mit einem dicken weißen Belag bedeckt ist, der sich nicht entfernen lässt. Unschön, aber keine hinderliche Krankheit, daher auch keiner weiteren Beachtung wert. Dann ging das Problem mit dem Singen los.In der Hauptschule war ich begeistertes Mitglied im Schulchor gewesen, auch zu Hause wurde fleißig gesungen. Doch auf einmal musste ich gähnen, kaum dass die erste Strophe beendet war. Es wurde immer schlimmer, zuletzt genügten zwei oder drei Takte um mich in eine Art "Gähnkrampf" verfallen zu lassen. Mein Vater hat fürchterlich mit mir geschimpft, ich war auch unglücklich darüber, aber das änderte natürlich nichts. Ein Arzt wurde mit diesem Problem nicht befasst, ist ja schließlich keine Krankheit! (Es hätte wahrscheinlich auch überhaupt nichts gebracht.) Als nächtes geriet mein Hormonsystem durcheinander. In dem Alter nichts Aufregendes, so was komme öfter vor, so zunächst die ärztliche Aussage. Als es so weit war, dass ich alle 14 Tage 8 Tage lang (also zwischendurch immer nur eine Woche ohne Blutung) unter schlimmen Krämpfen eine Menge Blut verlor und mir dadurch eine Anämie einhandelte, wurde mir die Pille verordnet, und ich traute mich 20 Jahre lang nicht, sie nur ein einziges Mal abzusetzen. Dass ich unter diesen Umständen in der Schule (ich ging damals in die Oberstufe) stark nachließ, wunderte niemanden. Eisenmangel ist eine wunderbare Erklärung dafür. Doch auch nach dessen Behebung wurde das Lernen nicht leichter. Bereits mit 14 Jahren traten auch Kreuzschmerzen auf, die längeres Stehen und Gehen unmöglich machten. Besonders Museumsbesuche wurden zur Qual.

Die Matura habe ich irgendwie noch geschafft. Die geplante weitere Ausbildung mit noch mehr nötigem Lernaufwand nicht mehr. Außerdem trat unter anderem Doppeltsehen auf, besonders bei längerer Konzentration auf den Vortragenden im Hörsaal. Zu der Zeit vertrug ich auch bereits Kunstfaserkleidung nicht mehr. Ich musste mir wegen unerträglichem Juckreiz die Kleidung vom Leib reißen, kaum dass ich sie anhatte. Was in den nächsten Jahren folgte, war ein bisschen Heuschnupfen, hin und wieder allergische Reaktionen auf Nahrungsmittel und eine Gastritis, also "ganz normal" in unserer Gesellschaft. Schlimmer war schon, als mir mal - wegen einer unklaren Infektion nach einem Insektenstich - Penizillin verordnet wurde. Meine Hände waren 3 Tage lang so geschwollen und empfindlich, dass ich nichts angreifen konnte. 

Nach der gescheiterten Ausbildung konnte ich mich ein bisschen erholen und den Führerschein machen. Die viermonatige Büroausbildung war zwar anstrengend, aber es ging - aus heutiger Sicht war mein Gehirn noch ganz schön leistungsfähig. Auch als ich Arbeit hatte, konnte ich noch Abendkurse besuchen, aber nicht mehr lange. Es entstanden Koordinationsprobleme während meiner ziemlich belastendenden Tätigkeit in einer Computerfirma, zunächst kollodierte ich "nur" öfters mit Türstöcken und Hausecken, doch eines Tages kam ich einfach nicht mehr aus dem Bett. Nach einigen Untersuchungen kam der Neurologe schließlich zu der Diagnose "vegetative Dystonie". Ehrlicherweise sagte er mir dazu, dass er einfach nicht wisse, was mit mir los sei. Sein Rat war, Stress zu vermeiden und nur mehr halbtags zu arbeiten. Die Zeit der Arbeitslosigkeit führte aber nicht zu Erholung, vielmehr nahmen Müdigkeit, Muskelschwäche und Konzentrationsprobleme weiter zu. Und allmählich fiel mir auf, dass mein Haar immer schütterer wurde und mein Körper immer aufgedunsener. Es hatte nicht mit zu vielem Essen zu den Feiertagen oder ähnlichem zu tun. Viel essen konnte ich ohnehin nicht, es machte mich zu müde. Auffallenderweise nahm ich immer dann zu, wenn es mir besonders schlecht ging und ich auch noch weniger aß als normal. Und dabei sah ich bald permanent schwanger aus, sodass ich auch mal gefragt wurde, wann "es" denn so weit sei.

Als ich wieder Arbeit hatte, schien sich die Lage etwas zu bessern, doch dann kam es zu einer Arbeitssituation, die eine Depression zur Folge hatte. Bei der Therapie, die ich damals bei einem Psychologen machte, lernte ich vor allem, meine gesundheitlichen Probleme zu ignorieren. Ein Jahr nach Beendigung dieser Therapie war das nicht mehr möglich. Die Hüftgelenke schmerzten so, dass ich mich kaum bewegen konnte. Der Hausarzt verschrieb ein Mittel gegen Rheuma, erst als das nichts brachte (außer Nebenwirkungen), wurde ich zum Röntgen geschickt. Dann stand es fest: ich hatte Coxarthrose (vorzeitige Abnützung der Hüftgelenksknorpel). 

Kaum hatte ich mich an diesen Zustand einigermaßen gewöhnt, kam es zu weiteren Verschlechterungen. Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindelanfälle und Hitzeunverträglichkeit stellten sich nach und nach ein und verschlimmerten sich. In meiner Kindheit war der Sommer meine Lieblingsjahreszeit. Es konnte gar nicht heiß genug sein, auch 35 Grad C hinderten mich nicht an einer Radtour. Im Lauf der Zeit wurde es immer schwieriger Hitze zu ertragen. Ich schwitzte kaum, und der Körper überhitzte sich, Kopfschmerzen und Übelkeit wurden unerträglich, ich hatte das Gefühl jeden Moment zusammenzubrechen.

Muskelkater bekam ich laufend, schon nach geringster Anstrengung, manchmal sogar ohne vorherige körperliche Betätigung, wenn ich mich besonders schwach fühlte. Als ich meinem Hausarzt einmal schilderte, dass ich nach kurzer Tätigkeit das Gefühl hätte, dass meine Muskeln zu wenig mit Sauerstoff versorgt würden, lachte er mich aus und sagte, das könne man gar nicht spüren. So wie andere empfahl auch er mir Sport zu betreiben. Klar, mein Zustand konnte ja nur durch Bewegungsmangel entstanden sein! Ich machte auch wirklich wenig Bewegung, das war schon in meiner Kindheit so gewesen, aber trotzdem konnte ich es einfach nicht glauben, dass ein bisschen Sport alle meine Probleme lösen würden. Und wie sollte ich eine Turnstunde oder ähnliches (es wurde mir ja verschiedenes empfohlen) durchhalten, wenn schon ein paar Minuten Anstrengung schwere Erschöpfungserscheinungen zur Folge hatten?

Bei einem chinesischen Mediziner schien sich Besserung abzuzeichnen, aber nachdem ich mich doch zu Rückenturnen überreden ließ und mich dabei überanstrengt hatte, "entgleiste" ich, es wurde immer schlimmer und gleichzeitig immer teurer, da ich jede Woche andere Mittelchen bekam, ohne Erfolg. So brach ich auch diesen Versuch ab und ging nur mehr zur chinesischen Massage, die mir ein wenig zu helfen schien.

Ab hier geht es zeitmäßig mit dem Kapitel "Amalgam" weiter, das sich aber bald mit "die unglaubliche Geschichte" und "nach 35" überschneidet. Ich habe lieber drei eigene Kapitel geschrieben, weil ich glaube, dass es sonst zu verwirrend wird. Jedenfalls tat ich mich mit dem Schreiben so leichter. 

 

Kindheit

    

            

Gesundheit

   vor 15

   von 15 - 35

   die unglaubliche
   Geschichte

   Amalgam 

   nach 35 

   Homöopathie und
   Blütenessenzen

   

 

Psyche

   

 

         

 

 

Kontakt

mein Leben

Startseite